13.
November

Artikel vom 27. Juni 2018 in der Tagespost von Josef Bordat:
Eine Rezension zum Buch von Rocco Thiede: „Die Mönche kommen“, Benno Verlag, 2018.

„DAS COMEBACK DER MÖNCHE“

Rocco Thiede befasst sich mit der geistlichen Wiederbelebung des ostdeutschen Zisterzienserklosters Neuzelle. Von Josef Bordat

Als Ausflugsziel für Berlin-Besucher mit Sinn für sakrale Baukunst war das Kloster Neuzelle schon seit der Wende eine Sehenswürdigkeit. Zu bestaunen war dort jedoch „nur“ der bauliche Rest eines ehedem blühenden Ordenslebens. Geistlich ging die Ära des Klosters bei Eisenhüttenstadt im Osten Brandenburgs vor zwei Jahrhunderten zu Ende: Das im 13. Jahrhundert errichtete Kloster wurde vom Preußischen Staat säkularisiert, die Mönche des Zisterzienserordens verließen 1817 den Ort, an dem sie seit 1281 wirkten.

Nun kommen sie wieder, die Mönche. Vier Zisterzienser aus Heiligenkreuz bei Wien zogen im Sommer 2017 in das Kloster, genau zweihundert Jahre nach der Säkularisation. Der Journalist Rocco Thiede, bekannt durch zahlreiche gut recherchierte Sachbücher zu gesellschaftlichen und kirchlichen Themen, hat den Wiedereinzug und seine Vorgeschichte mit Kamera und Notizblock begleitet. Das zwischen Projektbericht und Bildband angelegte Buch vermittelt einen genauen Einblick in die Planung, Organisation und Durchführung der Wiederbesiedlung des Klosters Neuzelle. Es ist sorgfältig gearbeitet und liebevoll gestaltet. So entstand ein Zeugnis konkreter Neuevangelisierung in einer der entchristlichsten Regionen Europas.

Thiede spannt den weiten Bogen. Es gelingt ihm, nicht nur eine reichhaltige Dokumentensammlung zur Wiederbesiedlung des Klosters Neuzelle in eine ansprechende Form zu bringen, sondern gibt darüber hinaus Auskunft über die monastische Lebensform, ihre Aktualität und ihre Attraktivität. Gegliedert ist das Buch nach den handelnden Personen im Kontext des Wiederbesiedlungsprojekts: Vom Initiator Bischof Wolfgang Ipolt über politische und kirchliche Verantwortungsträger bis hin zu den Protagonisten: Prior Simon Wester, Pater Kilian Müller, Pater Philomon Dollinger und Frater Aloysius Maria Zierl.

Der Verfasser lässt sie ausführlich zu Wort kommen, fängt ihren Glauben und die Aufbruchsstimmung ein, die eine ganze Region erfasst. Auch evangelische Christen wie der Bischof der Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, und einfache Laien kommen zu Wort. Sie alle stellen die Bedeutung des mutigen Schritts der Zisterzienser heraus, an die „Grenzen“ zu gehen – nach Papst Franziskus eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche –, an die geographische Grenze Ostdeutschlands, aber auch an die Grenze des kirchlichen Einflusses auf die Alltagskultur; in Brandenburg sind 97 Prozent der Menschen nicht katholisch. Neuevangelisierung per excellence.

Auch formal besticht das Buch: Zahlreiche Illustrationen zeigen, was Neuzelle ausmacht – die Menschen und die Kirchenkunst. Alles wird sehr einladend präsentiert, man darf sich willkommen fühlen. In einem Glossar werden Kloster- und Kirchenbegriffe erläutert, die heute nicht mehr allen Menschen geläufig sind (zum Beispiel „Horen“, „Komplet“, „Stabilitas loci“) beziehungsweise Begriffe, über die zahlreiche Deutungsvarianten und oft genug auch Missverständnisse im Umlauf sind („Liturgie“, „Spiritualität“, „Zölibat“). Ein Literaturverzeichnis lädt zur Vertiefung ein. Der schmucke Hardcover-Band ist die würdige dokumentarische Begleitung eines einzigartigen Projekts.

Rocco Thiede: Die Mönche kommen: Neuzelle – Wiederbesiedelung eines Klosters. St. Benno Verlag, 176 S., ISBN 978-3-74625145-5, EUR 14,95.

 

 

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